Freitag, 4. Juli 2014

Warum ist unsere virtuelle Firma nur ein Torso?

Prozessübersicht Softwareentwicklung

Artikelübersicht
1. Teil Missing Links im Modell.
2. Teil Gibt es einen eklatanten Wissensbruch in der Softwareentwicklung?
3. Teil Entwurf und Bauen von Software – eine falsche Vorstellung.
4. Teil Softwareentwurf ist ein organisierter Kreislauf.
5. Teil In Softwareprojekten gibt es viel zu entdecken!
6. Teil Die Interaktion mit dem Kontext ist ein wesentlicher Grund für den Erfolg eines Softwareprojektes.
7. Teil Das unentdeckte Land oder wo noch nie ein Mensch gewesen.
8. Teil Mit schlanken Methoden zu gewollter Software.
9. Teil Die Flexibilität des Vorgehens schenkt laufende Verbesserungen.
10. Teil Vom Problem seiner Rolle gerecht zu werden.
11. Teil Wir gründen eine virtuelle Firma.
12. Teil Warum ist unsere virtuelle Firma nur ein Torso?
13. Teil Eine Arbeitsvorlage, ein strategisches Team und ein tolles Geschäft.
14. Teil Ein fortgesetztes tolles Geschäft.


Das Gedankenexperiment einer virtuellen Firma hat im letzten Post dieser Reihe ein Entwicklerteam geschaffen. Damit besteht die Möglichkeit Dinge herzustellen. Das ist innerhalb einer Marktwirtschaft jedoch nicht ausreichend. Das Anstellen des Produktionsmotors, der Produkte ausspuckt und auf den Markt wirft, reicht bei weitem nicht aus. Am Anfang und am Ende dieses Vorgangs fehlen wesentliche Schritte zum Erfolg. Vor- und nachbereitende Schritte sowie organisatorische Leistungen werden in unserem Denken oft unterschätzt.

Versuchen wir in diesem Artikel einige der fehlenden Glieder zu ermitteln. Natürlich muss man am Anfang eine Vision entwickeln. In den Posts Mit schlanken Methoden zu gewollter Software und Das unentdeckte Land oder wo noch nie ein Mensch gewesen habe ich geeignete Methoden beschrieben, mit deren Hilfe Firmen neue Ideen in die Welt setzen können. Das Design Thinking und die Methode des Lean Startups bieten Schritte an, mit denen wir sparsam und im Kontakt mit dem Kunden Neues entwickeln können.

Im letzten Post erwähnte ich die Möglichkeit einer engen Freundschaft zwischen einer Person der Entwicklerfirma und einer entscheidenden Persönlichkeit des Auftraggebers. Beide entwickeln am grünen Tisch eine erste Vision. Diese etwas seltsame Beschreibung der Visionsbildung weist jedoch auf ein erhebliches Problem hin. Firmen sind gezwungen, Netzwerke aufzubauen und zu pflegen. Persönliche Beziehungen sind der Humus, auf dem die Produktion gedeiht. Dabei kommt es darauf an, die richtigen Leute kennenzulernen. Diese Menschen kann man jedoch nur erkennen, wenn man weiß, was man will. Dazu muss der Zweck des Unternehmens definiert werden. Im Post Missing Links im Modell wurde eine Möglichkeit beschrieben, diesen Zweck mithilfe der Business Motivation Model (BMM) zu beschreiben. Dort steht beschrieben, dass sich der Zweck eines Unternehmens aus der Vision und dem gewünschten Ergebnis (desired result) zusammensetzt. Das gewünschte Ergebnis wiederum unterteilt sich in strategiesches Ziel (goal) und operatives Ziel (objective) . Nach den Zielen denken wir über die Mittel (means) nach, die wir zur Umsetzung unserer Ziele einsetzen wollen. Diese Gedanken können Sie im ersten Post dieser Reihe genauer nachlesen.

Den Zweck einer Firma zu ermitteln scheint also mehr zu sein, als eine Vision am Biertisch, auch wenn das freundschaftliche Gespräch nicht zu unterschätzen ist. Auf die Freundschaft folgt strategische Arbeit. Je genauer diese Arbeit vonstatten geht, je besser ist das Fundament der Firma. Schon dieses Projekt ist mit der Lean-Startup-Methode durchführbar. Bauen wir das richtige Netzwerk auf? Kennen wir die richtigen Leute? Besteht ein Bedürfnis für unsere möglichen Produkte? Besitzen wir sinnvolle Ziele und setzen wir sie mit den richtigen Mitteln um? Ein ständiges reflektieren und eine ständige Verbesserung sind notwendig, um nicht auf den falschen Weg zu geraten.

Halten wir an dieser Stelle zwei wesentliche Dinge fest, die eine erfolgreiche Firma benötigt.
  1. Wir benötigen ein Beziehungsnetzwerk, in dem wir agieren.
  2. Wir benötigen eine gute Zweck-Ziel-Mittel-Beschreibung unseres Unternehmens.


Für die Produktion hatten wir ein Scrum-Team gebildet. Was spricht dagegen, für diese strategischen Aufgaben auch ein Scrum-Team zu bilden? Nicht jeder Mensch besitzt die Gabe strategische Entscheidungen zu treffen. Das kann jedoch nicht die Begründung sein, dass Einzelne diese Aufgabe übernehmen müssen. Auch hier kann die Vielfalt menschlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten weiterhelfen. Wo der Eine voranprescht, stoppt der Andere, weil es Wichtiges zu bedenken gilt und der Nächste weist auf Fehlendes oder Fehler hin. Das gemeinsame Denken ist auch hier besser als der diktatorische Alleingang, der in seinem Narzissmus schwer zu korrigieren ist und selbst in Zeiten offensichtlicher Fehlentwicklung aus Angst oder Unterwürfigkeit vor dem Vorgesetzten weiterbetrieben wird. Zur Leitung unserer Firma bilden wir also ein strategisches Scrum-Team. In diesem Team sind feste Mitglieder. Diese feste Mitgliedschaft kann sich natürlich über die Zeit ändern. Jederzeit können aber teamfremde Personen hinzugezogen werden. Achten Sie auf eine gute Verteilung unterschiedlicher Fertigkeiten und Fähigkeiten, wie z.B. das Vorhandensein von hochsensiblen (HSM) und nicht hochsensiblen Menschen im Team. Sogenannte HSM besitzen oft hohe Beraterqualitäten. Sie reflektieren Zusammenhänge sehr tief und besitzen oft eine hohe Kreativität. Leider werden diese Menschen allzu oft aus dem Berufsalltag gedrängt. Lesen Sie dazu auch die Reihe zu HSM und Softwareentwicklung.

Werden wir mit unserer virtuellen Firma konkret. In unserem strategischen Team sitzt der Geschäftsführer, der Product Owner, der Mitarbeiter für Marketing und Vertrieb, unser Requirements Eingineer und der Softwarearchitekt. Auch hier sind die Bezeichnungen Rollen, besser Richtungen oder Owner. Die feste Zuordnung von Positionen wurde in seiner Problematik im Post Vom Problem seiner Rolle gerecht zu werden beschrieben. Natürlich gibt es gesetztlich verflichtende Posten, um die wir nicht herumkommen. Aber selbst diese Posten können neu besetzt werden. Auf der anderen Seite müssen wir natürlich auch eine gewisse zeitliche Konstanz der Verantwortlichkeiten gewähren. Dabei hilft uns jedoch, dass menschliche Persönlichkeiten sich bei weitem nicht so schnell entwickeln, wie es uns unsere ADHS-geschwängerte-Zeit weismachen will.



Keiner der erwähnten Freunde ist also von sich so eingenommen, dass diese erste Idee ungeprüft als markttauglich eingestuft wird. Der erste Entwurf ihrer Vision ist der Input für das strategische Team. In diesem Team gibt es einen Mitarbeiter für Marketing und Vertrieb. Dieser, als auch der Geschäftsführer, sollten von Betriebswirtschaft zumindest eine Ahnung haben. Natürlich sind gut ausgebildete Mitarbeiter besser, noch besser aber selbstständig denkende Menschen, die mit Intuition und Sachverstand arbeiten.

Heute werden wir nur noch zwei Räume einrichten, in denen der Geschäftsführer und der Mitarbeiter für Marketing und Vertrieb sitzen. Dort können Sie ohne Unterlass telefonieren. Oft sind sie sowieso auswärts unterwegs, da der Aufbau von Beziehungen ohne Kontakte nicht zu bewältigen ist. Dabei spielt der Aufbau einer fachlichen Reputation eine große Rolle. Darauf möchte ich im Rahmen eines sinnvollen Marketings, dass den Kunden ernst nimmt zurückkommen.



Bevor ich eine Firma gründe, würde ich genau dieses strategische Team bilden und eine grundsätzliche Vision des Unternehmens entwickeln. Deshalb möchte ich im nächsten Post zeigen, wie das strategische Team mithilfe einer existierenden grafischen Methode zu einer Firmenvision kommt. Damit wird dem Team, neben der BMM, eine weitere Methode zur Strategieplanung offenstehen.

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1 Kommentar:

  1. Toller Blog!
    Schau doch auch mal auf meinem Blog vorbei! :-)

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