Mittwoch, 25. September 2013

Fehlerkreisläufe – Dein Freund, der Fehler.

These: Menschen die sich wohl fühlen, Menschen die geachtet werden, schaffen beachtliche Software.

Innerhalb eines Arbeitsprozesses werden Fehler gemacht. Wer nichts macht, macht auch keine Fehler. Über denen, die etwas machen sollten, sitzen die, die Anweisungen geben. Diese sind jedoch oft ungenau und beinhalten eine gewisse Zieltoleranz, um den Ausführenden in jedem Fall für seine Fehler zu bestrafen. Innerhalb unserer Kultur scheint es eine tiefe Bestrafungsphantasie für Fehler zu geben. Die eigenen Fehler werden auf Andere projiziert und mit dem Anderen ausgemerzt. Eine tiefe Befriedigung geht durch die, die sich über andere erheben. Doch leider hält diese Zufriedenheit nicht lange an. Diesem extrovertierten Fehlertyp steht der introvertierte Fehlertyp gegenüber. Er vergräbt sich in den Tiefen seiner Fehler, kann nicht schlafen und zittert schon vor dem nächsten.

Beide Formen können zu einem Verschleiern von Fehlern führen. Der Eine versteckt seine Fehler vor dem Anderen wie einen Makel, den man mit Kleidung verdeckt. Das Verstecken in einer Kultur der Bestrafung hat schließlich einen Sinn, man muss mit den Folgen leben und diese können für die Existenz von Bedeutung sein. Sie sind jedoch nicht nur für die eigene Existenz von Bedeutung, sie können auch über Wohl und Wehe der Gesundheit einer Firma entscheiden. Eine Firmenkultur, in der es üblich ist, Fehler unter den Teppich zu kehren, wird auf diese kaum reagieren können. Deshalb plädiere ich für das Offenlegen von Fehlern und gegen eine Bestrafungskultur.

Ein offener Umgang mit Fehlern ohne Bestrafung ist zunächst nur die notwendige Voraussetzung für eine Organisation, die aus ihren Fehlern lernen will. Der Fehler muss auch erkannt werden können. Eine Maßnahme, deren Folgen man nicht erfassen kann, kann auch nicht auf ihre Wirksamkeit hin untersucht werden. Wie kann man den Erfolg einer Maßnahme messbar machen? Ist ein gemessener Erfolg wirklich schon die Bestätigung des besten Weges? Diese Fragen gilt es zu beantworten.

Die durchzuführenden Maßnahmen müssen in ihrem Sinn begründet werden. Es müssen Kriterien gefunden werden, an denen Erfolg oder Misserfolg festgestellt werden können. Die Kriterien wiederum sind in ihrem Sinn ebenso zu begründen. Nachdem die Maßnahme durchgeführt und die entsprechenden Kriterien gemessen wurden, muss eine Retrospektive erfolgen. In dieser sind nicht nur die Maßnahme, sondern auch die zugehörigen Kriterien auf den Prüfstand zu stellen. Beides kann aber auch in die Irre führen. Der Verstand, der bewertet, entdeckt den geltenden Sinnzusammenhang. Während der Retrospektive können auch andere Maßnahmen bzw. Kriterien ins Feld geführt werden, die einen größeren Erfolg versprechen. Am Ende der Diskussion können Maßnahmen bzw. Kriterien ersetzt, gestrichen, geändert oder neu eingeführt werden.


Diese Kultur ist nur möglich, wenn in Fehlern der Ausgangspunkt für Neues gesehen wird und nicht angenommen wird, dass Fehler aus Absicht, Dummheit und Faulheit begangen werden. Um eine solche Kultur der Fehlererkennung und –behebung zu installieren, muss im Team die Achtung vor der einzelnen Persönlichkeit verankert sein. Dazu bedarf es des Vertrauens, welches verdient sein will und zwar von allen Seiten.

Die Offenlegung von Fehlern als Bloßstellen des Dummen verhindert diese Kultur genauso wie zynische Besserwisser. Die Zusammenhänge in der Softwareentwicklung sind meist so komplex, dass kein vernünftiger Menschen davon ausgehen würde, im Stande des "Alles Besserwissenden" zu sein. Die Achtung vor dem Anderen gebietet in jedem Fall die in diesem Post geforderte Kultur. Die Angst, das eigene Fehler bekannt werden, lähmt. Die geforderte Kultur ist ein ökonomischer und menschlicher Ansatz, der das zu verhindern sucht.

Die Begründung, man erzeugt Druck, weil das der Ökonomie nutzt, mag in den Bergwerken des antiken Griechenland richtig gewesen sein. In Firmen, deren Potential die Kreativität ihrer Mitarbeiter ist, ist sie in jedem Fall falsch. Unmenschlich ist sie in beiden Fällen.



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Ralf Baumann bei G+

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