Mittwoch, 8. Mai 2013

Was ist der Systemkontext ?



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These: Systemkontextanalyse öffnet die Augen für optimale Software

Wenn man eine neue Software erstellen oder eine alte Software verbessern oder erweitern möchte, spielt die Untersuchung des Umfeldes, in dem diese Software wirksam wird, oft keine Rolle. Doch um eine optimale Software zu entwickeln, ist das Verständnis genau dieses Umfeldes von entscheidender Bedeutung. Das ist natürlich nur soweit von Bedeutung, wie die zu betrachtenden Faktoren im Umfeld für die Erstellung des Systems von Betracht sind. Dieses notwendig zu betrachtende Umfeld nennt man auch den Systemkontext, und die Analyse des Systemkontextes ist die Systemkontextanalyse.


Deutlicher wird das an einem einfachen Beispiel. Betrachten wir eine Bibliothek. Für diese Bibliothek soll ein Softwaresystem geschaffen werden, das es erlaubt, alle Aktionen, die Leser und Bibliothekare durchführen müssen, einfacher zu gestalten. Zuerst werden verschiedene Gruppen identifiziert, die in dieser Bibliothek zu finden sind. Es gibt Leser und Dauerleser, Mitarbeiter an der Ausleihe und Mitarbeiter, die mit dem Einarbeiten von Büchern beschäftigt sind. Diese verschiedenen Gruppen stehen in Beziehung zueinander und sie führen verschiedene Handlungen durch. Außerdem gibt es sowohl ein Karteikastensystem, in dem die Bücher gefunden werden können, als auch ein System, wie diese Karteikarten zu erstellen sind. Außerdem spielen eine Menge an Verordnungen, Arbeitsanweisungen und Gesetzestexten für das innere Verständnis der Bibliothek eine wichtige Rolle. Alle diese Dinge nennt man Kontextobjekte, also Dinge von Betracht im Systemkontext. Kontextobjekte gleicher Art, wie z.B. die am Anfang gefundenen Gruppen von Interessenten, nennt man Kontextaspekte.

Typische Kontextaspekte im Systemkontext sind also Personen, Gruppen, Organisationen, Prozesse, Ereignisse und Dokumente. Genauso wichtig wie das Auffinden von Kontextobjekten ist die Abgrenzung des Systemkontextes von seiner irrelevanten Umgebung. So spielt das Kino gegenüber der Bibliothek erst einmal keine Rolle für das Verständnis und ist somit kein Bestandteil des Systemkontextes. Den Vorgang dieser Grenzziehung nennen wir Kontextabgrenzung. Die Kontextgrenze ist keine eindeutig zu bestimmende Grenze. Innerhalb des Systemkontextes werden eine Menge von Kontextobjekten gefunden. Die Einbeziehung dieser Kontextobjekte hängt von ihrer Wichtigkeit für das Verständnis des zu schaffenden Systems ab. Um diese Wichtigkeit zu bestimmen, kann man verschiedene Prioritätsverfahren anwenden.


Das Bild soll den diskutierten Inhalt verdeutlichen. Da ich kein begnadeter Zeichner bin und deshalb immer nach begnadeten Designern suche, werde ich alle Bilder mit UML- oder BPMN-Tools entwerfen. Im oberen Bild habe ich ein Package-Diagramm zur visuellen Darstellung benutzt. Das äußere Package ist die ganze Welt, die die irrelevante Umgebung und den Systemkontext enthält. Im Systemkontext ist bereits das System abgebildet. Das zu betrachtende System ist immer Bestandteil des Systemkontextes. Es steht mit den anderen Kontextobjekten in Beziehung. Im Falle einer neu zu erstellenden Software wäre das System allerdings nur eine zukünftige Idee. Falls das System jedoch eine existierende Software ist, die es zu ändern oder zu erweitern gilt, so ist das System Bestandteil des Systemkontextes, die Änderung bzw. Erweiterung ist jedoch auch nur eine Idee, die sich im IST-Zustand nicht abbildet. Die Idee spielt eine zentrale Rolle bei der Bestimmung der relevanten Umgebung und somit bei der Abgrenzung von der irrelevanten Umgebung.


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1 Kommentar:

  1. Der Systemkontext ist in der Softwarepsychologie als "Nutzungskontext" bekannt. Zum Nutzungskontext gehören Personas und Szenarien.

    Personas beschreiben die weiche Faktoren der prototypischen Nutzer-- ihre Befürchtungen, situative Einflüsse wie Zeitdruck, und persönliche Daten wie Geschlecht und Alter. All diese Faktoren haben einen Einfluss darauf, wie Software gestaltet werden muss, um eine höchstmögliche Usability zu erreichen.

    Szenarien sind typische Nutzungsfälle. Welche Aufgaben muss der Nutzer erledigen können? Welche Probleme können auftreten? In welcher Reihenfolge müssen die Aufgaben erledigt werden? Auch diese Informationen sind wichtig, um einen angemessenen Workflow mit der Software zu gewährleisten.

    Um mehr darüber zu lesen, besuchen Sie unsere Website: www.apliki.de

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