Dienstag, 28. Mai 2013

Modellbetrachtungen

These:Systemkontextanalyse öffnet die Augen für optimale Software

Im Folgenden übernehme ich einen Abschnitt aus meiner Diplomarbeit [BAU09]. In dem betreffenden Abschnitt habe ich einige kurze Betrachtungen zu Modellen durchgeführt. In den weiteren Posts werde ich die einzelnen Kontextaspekte erläutern. Dabei werde ich spezifische Modelle und Schablonen zur Darstellung und Erfassung verwenden. Deshalb stelle ich diese theoretischen Betrachtungen vor diesen Erläuterungen an. Der weitere Text dieses Posts ist der übernommene Text aus meiner Diplomarbeit [BAU09].


Ein Modell ist ein abstrahierendes Abbild einer existierenden oder fiktiven Realität.“ [S.279, POHL08] Um die Wirklichkeit um uns herum zu erfassen, ist es notwendig die Komplexität einzuschränken, um sie erfassbar und begreifbar zu machen. Modelle versuchen das Wesentliche abzubilden. Sie werden auf ein Problem hin entwickelt. Laut Klaus Pohl besitzen sie zwei zentrale Eigenschaften, die der Verkürzung und die der Erweiterung.

Verkürzung: Modelle verkürzen die abgebildete Realität abhängig vom Verwendungszweck des Modells.

Erweiterung: Modelle besitzen ggf. erweiternde Eigenschaften.“ [S.281, POHL08]

In der Verkürzung wird die abgebildete Realität auf das Wesentliche beschränkt, die Realität wird verkürzt. Die Verkürzung bedient sich zweier Abstraktionsmechanismen, der Selektion und der Verdichtung. Die Selektion wählt bestimmte Aspekte der Realität aus und die Verdichtung fasst bestimmte Aspekte der Realität zusammen. Dabei sollten immer nur Aspekte ausgewählt werden, die für den Verwendungszweck von Bedeutung sind. In einer Straßenkarte werden Städte zu Punkten oder Vierecken verschiedener Farben zusammengefasst und zwischen den Städten werden alle Straßen in ihrem Verlauf verzeichnet. Für den Zweck unbedeutende Aspekte der Realität wurden weggelassen. Der Betrachter der Karte kann so auf einfache Weise den Verlauf einer Strecke zwischen zwei Orten ermitteln.

„Bei erweiternden Eigenschaften handelt es sich um Aspekte, die im Modell dargestellt, aber im zugrunde liegenden Gegenstandsbereich in dieser Form nicht vorhanden sind.“ [S.283, POHL08] Die Erweiterung fügt dem Modell also Aspekte hinzu, die im betrachteten Gegenstandsbereich nicht vorhanden sind. Diese hinzugefügten Aspekte sollen das Modell besser verständlich machen, sie sollen es für den Verwendungszweck besser geeignet machen. So dienen Längen –und Breitengrade der besseren Ortsangabe in Kartenmaterialien. In der Wirklichkeit sind sie nicht zu finden.



Kartenmodell

„Der Verwendungszweck bestimmt, ob ein Modell geeignet ist oder nicht.“ [S.282, POHL08] Dieser Aspekt darf auf keinen Fall vergessen werden. Ein Modell ist somit immer an seinen Verwendungszweck gekoppelt. In einem anderen Zusammenhang kann es völlig unbrauchbar werden. Bei jedem Modell sollte klar sein, welche Gedanken der Modellbildung zugrunde lagen, warum bestimmte Aspekte ausgewählt, andere weggelassen, weitere zusammengefasst und hinzugefügt wurden.

Zentrales Subjekt der Modellbildung ist der Akteur, die Person, die die Realität im Modell abbildet. Die Realität ist der Gegenstand der Modellbildung, die Domäne, über die das Subjekt eine geeignete Form der Darstellung sucht. Im Subjekt bildet sich dazu eine Konzeption, ein gedankliches Abbild der Realität. Dieses gedankliche Abbild ist bereits eine Verarbeitung der Realität. Die Konzeption wird vom Erfahrungshorizont des jeweiligen Subjekts beeinflusst. Das gedankliche Bild, die Konzeption, wird in einem weiteren Schritt zu Papier gebracht. Es entsteht die Repräsentation. Der beschriebene Vorgang ist bereits eine Modellbildung. Es handelt sich um das semiotischen Tetraeder nach Frisco.



 
Das semiotische Tetraeder nach FRISCO [S.285, POHL08]

Die Repräsentation bedient sich einer Darstellung durch Symbole. Die Aneinanderreihung und die Bedeutungsverleihung dieser Symbolfolgen werden als Sprache bezeichnet. Jede Sprache zeichnet sich durch Syntax, Semantik und Pragmatik aus. Die Syntax einer Sprache besteht aus den verwendbaren Zeichen, die in ihrer Gesamtheit das Alphabet der Sprache sind, und aus einer Reihe von Regeln, der Grammatik, wie diese Zeichen zusammengesetzt oder angeordnet werden dürfen. Die Semantik stattet die entstehenden Zeichengebilde mit Bedeutung aus. „Die Pragmatik betrachtet die Beziehung zwischen Repräsentation (d.h. Sprachkonstrukten) und der Auswirkung der Interpretation der Repräsentation auf das Verhalten des interpretierenden Akteurs.“ [S.286, POHL08]

  • [BAU09] Ralf Baumann: "Entwicklung eines Arbeitsablaufes für die Entwicklung von Anforderungen an eine Software durch den Auftraggeber.", Diplomarbeit an der FH Trier, 2009
  • [POHL08] Klaus Pohl: „Requirements Engineering“, 2. korrigierte Auflage, dpunkt.verlag GmbH, Heidelberg, 2008


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